Notfälle im alpinen Gelände ab 1500 Meter Seehöhe

ein retrospektive Studie

Authors

  • Matthias Lampel Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Graz, Graz
  • Stefan Heschl Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Graz, Graz https://orcid.org/0000-0001-6123-8571
  • Alexander Egger Landeskrankenhaus Scheibbs
  • Wolfgang Schreiber Universitätsklinik für Notfallmedizin, Medizinische Universität Wien, Wien

DOI:

https://doi.org/10.31247/agnj.v1iS1.6

Keywords:

Präklinische Notfallmedizin, Ausbildung/Lehre

Abstract

Fragestellung Die Einsatzzahlen von alpinen Rettungsdiensten steigen [1]. Über Epidemiologie, Ätiologie, Symptomatik und Therapie konservativer Notfälle, beziehungsweise Vergleiche mit traumatologischen Notfällen findet sich wenig Information.

Methodik Eine retrospektive Datenanalyse von 3836 Einsätzen ab 1500m Seehöhe des Christophorus Flugrettungsvereins (CFV) wurde für die Jahre 2017 bis 2019 durchgeführt. Mittels deskriptiver Statistik wurden demographische, jahres- und tageszeitliche, örtliche, einsatztaktische Parameter und Vitalparameter analysiert. Vergleichende Statistik wurde zwischen traumatologischen und konservativen Notfällen und Notfällen unter und über 2500m Seehöhe angewendet.

Ergebnisse Einsätze betrafen häufiger Männer (60%). Bei konservativen Notfällen waren die Patient*innen älter. Es zeigte sich eine deutliche saisonale Schwankung zugunsten der Wintersaison. 81 Prozent betrafen traumatologische Notfälle. Am häufigsten verletzt war die untere Extremität und/oder das knöcherne Becken. Kardiale Notfälle waren bei konservativen Notfällen führend. Der NACA-Score lag median bei 3 und zeigte höhere Werte bei konservativen Notfällen. Beim Eintreffen zeigten sich die Vitalparameter median im Normalbereich. Einsätze über 2500m zeigten eine niedrigere Sauerstoffsättigung. Bei konservativen Notfällen dauerte die Versorgungszeit am Einsatzort länger. Bei Einsätzen über 2500m war die Flugzeit zum Einsatzort sowie vom Einsatzort länger.

Interpretation Das geringe Aufkommen konservativer Krankheitsbilder könnte mit dem jungen Patient*innenkollektiv zusammenhängen. Ein Großteil der Einsätze betraf vital nicht-gefährdete Patient*innen. Gründe könnten in logistischen und touristischen Ursachen, wie der schnellstmöglichen Rettung durch einen Hubschrauber oder in häufigen Hubschraubereinsätzen in Skigebieten, liegen. Der höhere NACA-Score konservativer Notfälle könnte durch häufige kardiale Notfälle erklärbar sein. Nicht bei jedem*er Notfallpatient*in wurde ein Monitoring durchgeführt. Grund dafür könnte die grundsätzliche Schwierigkeit eines Monitorings im alpinen Gelände und das unkritische klinische Erscheinungsbild der Notfallpatient*innen gewesen sein. Der reduzierte Sauerstoffpartialdruck der Atmosphäre könnte die niedrigeren Sauerstoffsättigungswerte über 2500m bedingen. Die Einsatzzeiten waren kurz. Dafür könnte das dichte Notarzthubschrauberstützpunkt- und Krankenhausnetz verantwortlich sein.

1 Volker Lischke; Christian Byhahn; Klaus Westphal; Paul Kessler (2001) Mountaineering accidents in the European Alps: have the numbers increased in recent years? Wilderness and Environmental Medicine, 12, 74-80. doi: 10.1580/1080-6032(2001)012[0074:maitea]2.0.co;2

Ethikkommissionsvotum mit der Nummer 33-128 ex 20/21 der Ethikkommission der Medizinischen Universität Graz ohne Einwand gegen die Durchführung der Studie vorliegend.

Author Biographies

  • Matthias Lampel, Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Graz, Graz

    Österreichischer Bergrettungsdienst

  • Stefan Heschl, Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Graz, Graz

    Österreichischer Bergrettungsdienst

  • Alexander Egger, Landeskrankenhaus Scheibbs

    Österreichischer Bergrettungsdienst

    Christophorus Flugrettungsverein

     

  • Wolfgang Schreiber, Universitätsklinik für Notfallmedizin, Medizinische Universität Wien, Wien

    Christophorus Flugrettungsverein

Published

2022-04-21

How to Cite

Notfälle im alpinen Gelände ab 1500 Meter Seehöhe : ein retrospektive Studie. (2022). AGN Journal, 1(S1). https://doi.org/10.31247/agnj.v1iS1.6

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