Digitalisierung und KI im Rettungsdienst: Eine österreichweite Bestandsaufnahme
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.86Keywords:
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, RettungsdienstAbstract
Studienziel Ziel dieser Studie ist es, den aktuellen Stand der Digitalisierung und des Einsatzes künstlicher Intelligenz (KI) im österreichischen Rettungsdienst systematisch zu erfassen und Entwicklungsperspektiven zu analysieren. Dabei werden digitale Systeme, laufende Projekte sowie geplante Weiterentwicklungen mit Fokus auf die präklinische Versorgung unter Anwendung von KI durch den nichtärztlichen Rettungsdienst untersucht.
Methoden Im Zeitraum Juli–August 2025 wurde eine semi-strukturierte Querschnittsbefragung unter Fachexpert*innen aus den obersten Führungsebenen der österreichischen Rettungsdienstorganisationen durchgeführt. Mit Items aus einem Fragebogen von Möllenhoff et al. [1] (adaptiert an österreichische Strukturen) wurden der Einsatz digitaler Werkzeuge (KI-/Nicht-KI-basiert), die Wahrnehmung von KI (organisationsweit/national) sowie die Nutzung von Big Data erhoben.
Ergebnisse 23 von 25 Organisationen nahmen teil, entsprechend ~99 % des Personalstands. Es zeigt sich, dass nicht KI-basierte digitale Werkzeuge breit etabliert sind (digitale Protokollübermittlung, digitale Leitlinien und Dokumentation etc.). Schnittstellen zu Krankenhäusern (Vorankündigung, Kapazitätsabfragen), Dolmetschdienste und Telenotarzt-Möglichkeiten sind nur in manchen Organisationen im Einsatz und/oder teilweise pilotiert. KI ist nicht in der Routine etabliert, wird jedoch punktuell zur Dispositionsunterstützung, zur Optimierung von Reanimation/Defibrillation sowie zur EKG-Interpretation eingesetzt. Derzeit werden Tools zur Triage-/Outcome-Vorhersage, zur Schätzung des Rettungsdienstbedarfs und zur Behandlungsentscheidungsunterstützung pilotiert; 6 von 23 Organisationen berichten über laufende oder geplante KI-Projekte in den Bereichen Diagnostik, Triage, Gesprächsabwicklung, Disposition und EKG-Befundung.
Schlussfolgerungen Der österreichische Rettungsdienst verfügt zwar über eine solide digitale Basis, jedoch bisher nur über wenige KI-Werkzeuge. Kurzfristige Prioritäten sind KI-gestützte Disposition und Bedarfsprognosen sowie Triage, EKG-Diagnostik und Entscheidungsunterstützung. Eine zukünftige KI-Nutzung wird organisationsintern eher wahrscheinlich, österreichweit jedoch zurückhaltender eingeschätzt. Eine organisationsübergreifende Datenbasis, auf die alle Organisationen Zugriff haben, um KI-Applikationen zu trainieren, gilt als eher unwahrscheinlich. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass aus der bestehenden digitalen Infrastruktur mit laufenden Pilotprojekten zukünftig eine sichere und qualitativ hochwertige KI-Unterstützung im österreichischen Rettungsdienst entstehen könnte.
References
Möllenhoff C, et al. Digitale Systeme zur Unterstützung von präklinischen Notfalleinsätzen: Deutschlandweite Querschnittserhebung zu Verfügbarkeit, Nutzung und bestehenden Herausforderungen. Die Anaesthesiologie. 2022;71(7):518–525. doi:10.1007/s00101-021-01085-5.