Time is blood: REBOA als lebensrettende Bridging-Therapie bei postpartaler Hämorrhagie – Case Report

Authors

  • Mathias Bader Klinische Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin 1, Medizinische Universität Graz, Österreich
  • Maximilian Niederer Klinische Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin 1, Medizinische Universität Graz, Österreich
  • Sascha Hammer Klinische Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin 1, Medizinische Universität Graz, Österreich
  • Sebastian Labenbacher Klinische Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin 1, Medizinische Universität Graz, Österreich
  • Christian Regvar Klinische Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin 1, Medizinische Universität Graz, Österreich
  • Philipp Zoidl Klinische Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin 1, Medizinische Universität Graz, Österreich

DOI:

https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.75

Keywords:

Schock, REBOA

Abstract

Hintergrund Die postpartale Hämorrhagie (PPH) zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen maternaler Mortalität. Eine Uterusatonie nach Sectio caesarea kann rasch in einen therapierefraktären hämorrhagischen Schock münden.[1] Die Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta (REBOA) ist in der Traumatologie etabliert und gewinnt zunehmend Bedeutung als Rescue-Strategie in der Geburtshilfe.[2,3]

Fallbeschreibung Es handelte sich um eine 35-jährige Patientin (Gravida 3, Para 2) mit einer sekundären Sectio caesarea (SSW 28+3) in Spinalanästhesie bei Placenta praevia totalis mit rezidivierenden vaginalen Blutungen und vorzeitigem Blasensprung. Intraoperativ wurde bei einem geschätzten Blutverlust von 2000 ml neben der Gabe von Uterotonika eine adäquate Substitution von Blut- und Gerinnungsprodukte durchgeführt. Bei der Übernahme auf ICU nach ca. 20 min Tunneltransportzeit (aufgrund des Pavillon-Systems) präsentierte sich die Patientin bei einem Hb von 5,9 g/dl instabil im hämorrhagischen Schock mit mittelgradiger Katecholaminpflichtigkeit – sowie einer starken, frischen vaginalen Blutung.

Intervention und Verlauf Aufgrund des lebensbedrohlichen Zustandes wurde in Absprache mit der operativen Disziplin sofort die Notwendigkeit zur notfallmäßigen Hysterektomie gestellt. Bei therapierefraktärem Schock trotz Massivtransfusion und Katecholamintherapie wurde die Entscheidung zur REBOA-Anlage (Zugang Ultraschall-gestützt femoral; Zone 3) getroffen. Nach Ballonblock kam es zur unmittelbaren hämodynamischen Stabilisierung, wodurch der sichere Transport und die definitive operative Blutungskontrolle ermöglicht wurden. Intraoperativ konnte der Ballon nach 60 min Okklusionszeit partiell entblock werden, 10 min später wurde dieser komplett entblockt. Bereits 36 Stunden postoperativ konnte die Patientin die ICU verlassen. Verabreichte Blut- und Gerinnungsprodukte von Sectio caesarea bis zur Entlassung von ICU: EK 2250 ml, TK 400 ml, FFP 1600 ml, Fibrinogen 7 g, PPSB 500 IE, Tranexamsäure 2 g. Die Patientin konnte bereits am 9. postoperativen Tag im guten AZ nach Hause entlassen werden.

Schlussfolgerung REBOA kann bei postpartaler Hämorrhagie im therapierefraktären hämorrhagischen Schock als lebensrettende Bridging-Maßnahme eingesetzt werden. Die Platzierung in Zone 3 erlaubt effektive Blutungskontrolle bei minimiertem Ischämierisiko. Entscheidend sind frühe Indikationsstellung und strukturierte interdisziplinäre Zusammenarbeit.

References

Say L, Chou D, Gemmill A, et al. Global causes of maternal death: a WHO systematic analysis. Lancet Glob Health 2014;2:e323–33. https://doi.org/10.1016/S2214-109X(14)70227-X.

Brede JR, Søvik E, Rehn M. Resuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta: the postpartum haemorrhage perspective. Crit Care 2022;26:57. https://doi.org/10.1186/s13054-022-03942-0.

Stensaeth KH, Sovik E, Haig INY, et al. Fluoroscopy-free Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta (REBOA) for controlling life threatening postpartum hemorrhage. PLOS ONE 2017;12:e0174520. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0174520.

Published

2026-04-09

How to Cite

Time is blood: REBOA als lebensrettende Bridging-Therapie bei postpartaler Hämorrhagie – Case Report. (2026). AGN Journal, 3(S1). https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.75

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