Die altersbezogene Verteilung von Einsatzindikationen im Grazer Notärzt*innensystem
DOI:
https://doi.org/10.31247/agnj.v3iS1.69Keywords:
Notfallmedizin, Altersabhängige Einsatzindikationen, EinsatzepidemiologieAbstract
Einleitung Der demografische Wandel und steigende Einsatzzahlen stellen die präklinische Notfallversorgung zunehmend vor Herausforderungen. Ältere Patient*innen machen einen wachsenden Anteil der Notfallkontakte aus und präsentieren sich häufig mit Multimorbidität sowie unspezifischer Symptomatik. Ziel dieser Studie war die Analyse alters- und geschlechtsspezifischer Muster von Einsatzindikationen im Versorgungsgebiet des notarztbesetzten Einsatzfahrzeugs (NEF Ost) in Graz sowie deren Einordnung in die regionale Versorgungsstruktur.
Methoden Es erfolgte eine retrospektive Auswertung aller im elektronischen Protokollsystem MEDEA dokumentierten Einsätze des Jahres 2024. Insgesamt wurden 1.871 Einsätze mit dokumentiertem Alter und definierter Einsatzindikation eingeschlossen. Die Patient*innen wurden in sieben Altersgruppen eingeteilt, die Indikationen in zehn Kategorien klassifiziert (u. a. internistisch, traumatologisch, neurologisch, Intoxikation, Kreislaufstillstand). Geschlechtsunterschiede wurden analysiert, die Erkrankungsschwere anhand des NACA-Scores beschrieben. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.
Ergebnisse Es zeigten sich klare altersabhängige Muster. Neurologische Notfälle und Traumata traten gehäuft bei Kindern und Jugendlichen auf. Internistische Notfälle nahmen mit steigendem Alter deutlich zu und machten bei Patient*innen ≥60 Jahre über 50 % sowie in der Gruppe 75–89 Jahre über 60 % aller Einsätze aus. Die Häufigkeit von Kreislaufstillständen stieg mit dem Alter. Intoxikationen betrafen überwiegend junge Erwachsene. Traumatische Notfälle blieben in allen Altersgruppen relevant, verloren jedoch im höheren Lebensalter gegenüber internistischen Dekompensationen an relativer Bedeutung. Männer wiesen häufiger Traumata, Intoxikationen und Kreislaufstillstände sowie höhere NACA-Scores auf, während Frauen häufiger internistische Notfälle zeigten.
Diskussion Die Ergebnisse belegen eine ausgeprägte alters- und geschlechtsabhängige Verteilung von Einsatzindikationen. Dies unterstreicht die Bedeutung des gestuften Notarztsystems in Graz mit gezieltem Ressourceneinsatz. Angesichts demografischer Alterung und steigender Einsatzbelastung sind alters- und geschlechtssensible Versorgungsstrategien sowie strukturierte Aus- und Fortbildung essenziell.